Professionelles SIV vs. eigenständiges SIV

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Ich persönlich mag es nicht so besonders, von jemand anderem kontrolliert und beobachtet zu werden. Das war damals in der Fahrschule schon so und ist heute bei einem Sicherheitstraining immer noch so. Eine Frage, die mich schon seit Längerem umtreibt, ist deshalb: Kann ich ein professionelles SIV (SIV – Simulation d’Incidents en Vol, sinngemäß „Simulation von Zwischenfällen im Flug“) durch ein eigenständig durchgeführtes SIV ersetzen?

Theo de Blic sieht das exakt so. Auf seinem YouTube-Kanal präsentiert er schon seit Längerem Anleitungsvideos zum eigenständigen Durchführen verschiedener Übungen, und hat aktuell ein Video veröffentlicht, in dem er zeigt, wie man ein SIV eigenständig durchführt. Sicherheit steht gerade bei einem selbst durchgeführten SIV an erster Stelle und so empfiehlt er dringend:

  • den SIV maximal mit einem EN-B durchzuführen,
  • der Retter muss verfügbar sein,
  • der SIV sollte an einem Ort mit großer verfügbarer Höhe durchgeführt werden,
  • der SIV sollte in einer sicheren Box durchgeführt werden, d. h. über Wasser, Bäume oder Felder und
  • man sollte sich ein Höhenlimit setzen, ab dem man die Übung beendet.

Optional wird noch empfohlen, mit zwei Rettungen und einem Sitzgurtzeug zu fliegen. Man sollte eine Übung gut beherrschen, bevor zur nächsten Übung übergegangen wird, und man sollte sich nicht zu sehr unter Druck setzen und sich Zeit lassen.

Anschließend zeigt er im Video verschiedene praktische Übungen, u.a.:

  • Klapper
  • Steilspirale
  • Full stall
  • Back fly

Das Video habe ich zum Anlass genommen, in der Signal-Gruppe meines Vereins, eine Umfrage zu starten. Meine Frage war: Macht ihr SIV auf eigene Faust? Die möglichen Antworten:

  • Ja, mit Übungen, die ich schon sicher beherrsche.
  • Ja, mit Übungen, die neu sind für mich oder / und nicht sicher beherrsche.
  • Nein, auf keinen Fall. Viel zu gefährlich, ohne Anleitung irgendwelche Übungen durchzuführen.

Die erste Option wählten 15, die zweite Option 5 und die letzte Option 2 Piloten. Es zeigt sich, dass die große Mehrheit eher vorsichtig SIV auf eigene Faust durchführt.

Die anschließende Diskussion in der Signal-Gruppe habe ich mit Chat-GPT aufarbeiten lassen. Vielen Dank an Georg, Michael, Steffi und Herbert für eure Beiträge zum Thema:

Einleitung

Die Diskussion beschäftigt sich mit der Frage, welchen Zweck ein professionell begleitetes Sicherheitstraining erfüllt und wo die Grenzen eines solchen Trainings liegen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Unterschiede zwischen angeleitetem SIV, eigenständigem Training nach einem SIV und dem allgemeinen Ziel, durch regelmäßige Wiederholung langfristig sicherer zu fliegen.

Ein wesentlicher Konsens der Diskussion ist: Sicherheit entsteht nicht allein durch die Teilnahme an einem SIV, sondern durch das Zusammenspiel aus fundiertem Lernen, professionellem Feedback, praktischer Wiederholung und einem angemessenen individuellen Sicherheitspuffer. Dabei muss jedes Manöver hinsichtlich seines Risikos, des eigenen Ausbildungsstands und der jeweiligen äußeren Bedingungen individuell betrachtet werden.

Was soll ein professionelles SIV leisten?

Ein kommerzielles SIV wird vor allem als Lern- und Feedbacksituation verstanden. Ziel ist nicht unbedingt, ein Manöver innerhalb weniger Tage so oft zu wiederholen, bis es vollständig automatisiert beherrscht wird. Vielmehr geht es darum,

  • die richtige Technik für ein Manöver kennenzulernen,
  • Reaktionen auf Störungen zu trainieren,
  • typische Fehler und deren Folgen zu verstehen,
  • Ausleitungen korrekt zu erlernen,
  • das eigene Verhalten unter hoher Belastung kennenzulernen,
  • individuelle Schwachstellen zu erkennen und
  • durch einen erfahrenen Trainer unmittelbares Feedback zu erhalten.

Zu den typischen Trainingsinhalten gehören beispielsweise Klapper, Wingover, Steilspirale, einseitige Strömungsabrisse oder Full Stalls. Je nach Trainingsstand können auch anspruchsvollere Manöver hinzukommen. Die Diskussion macht gleichzeitig deutlich, dass die Teilnehmer eines SIV meist keine Acro-Profis sind. Neue Manöver beanspruchen daher erhebliche mentale Kapazitäten. Zwei oder drei konzentrierte Trainingsflüge können für viele Piloten bereits eine hohe Belastung darstellen.

SIV ist nicht gleich Wiederholungstraining

Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Unterscheidung zwischen Lernen und Festigen. Ein professionelles SIV bietet ideale Bedingungen, um ein neues Manöver zu verstehen und erstmals korrekt auszuführen. Für eine große Anzahl an Wiederholungen ist es dagegen weniger geeignet. Der Grund liegt unter anderem in:

  • begrenzter Trainingszeit,
  • Wetterabhängigkeit,
  • Gruppengröße,
  • mentaler Belastung,
  • notwendiger Videoanalyse,
  • theoretischer Vor- und Nachbereitung und
  • der hohen Aufmerksamkeit, die der Trainer für jeden einzelnen Flug aufbringen muss.

Ein Teilnehmer kann beispielsweise im Rahmen eines SIV lernen, eine Steilspirale kontrolliert einzuleiten und auszuleiten. Die anschließende Automatisierung dieser Abläufe erfordert jedoch viele weitere Wiederholungen. Daraus ergibt sich ein sinnvolles Modell:

SIV → Verständnis und Technik lernen → Feedback erhalten → eigenständig und kontrolliert wiederholen → Routine entwickeln

Ein SIV ersetzt also nicht zwangsläufig das spätere selbstständige Training.

Der Wert des Trainers

Ein besonders wichtiger Mehrwert des professionellen SIV ist die externe Perspektive. Im normalen Fliegeralltag trainiert ein Gleitschirmpilot nach dem Erwerb des Scheins häufig weitgehend autodidaktisch. In anderen Sportarten ist regelmäßiges Training mit einem qualifizierten Trainer dagegen selbstverständlich – beispielsweise im Tennis, Schwimmen oder Skifahren. Ein SIV kann deshalb als Gelegenheit verstanden werden, einen professionellen und unvoreingenommenen Blick auf die eigene Fliegerei zu erhalten. Der Trainer kann unter anderem beurteilen:

  • Wie sauber wird ein Manöver eingeleitet?
  • Wie reagiert der Pilot auf unerwartete Entwicklungen?
  • Wo entstehen technische Fehler?
  • Wie früh erkennt der Pilot kritische Situationen?
  • Wie gut funktioniert die Ausleitung?
  • Wo liegen individuelle „blinde Flecken“?

Gerade diese Erkenntnisse sind im selbstständigen Training nur schwer zu gewinnen. Hinzu kommen die Erfahrung des Trainers mit unterschiedlichen Schirmen, sein Blick für typische Fehlerbilder und seine Fähigkeit, Situationen frühzeitig zu erkennen.

Videoanalyse als wesentlicher Bestandteil

Ein weiterer Vorteil des professionellen SIV ist die systematische Videoanalyse. Die Videoaufnahmen ermöglichen es, einen Flug anschließend aus einer objektiveren Perspektive zu betrachten. Dadurch lassen sich beispielsweise erkennen:

  • Körper- und Steuerbewegungen,
  • Zeitpunkt und Stärke von Steuerimpulsen,
  • Dynamik des Schirms,
  • Fehler bei Einleitung oder Ausleitung,
  • Abweichungen zwischen subjektiver Wahrnehmung und tatsächlichem Flugverlauf.

Damit wird das SIV nicht auf die reine Flugzeit reduziert. Theorie, Beobachtung und Analyse sind ein wesentlicher Bestandteil des Trainingswerts. Ein scheinbar kurzer Trainingstag mit nur zwei Flügen kann daher durchaus sehr intensiv und lehrreich sein.

Warum zwei bis drei Flüge pro Tag sinnvoll sein können

In der Diskussion wird mehrfach die Frage angesprochen, ob zwei oder drei Flüge pro Tag angesichts der Kosten eines SIV ausreichend sind. Einerseits erscheint die geringe Zahl an Flügen zunächst wenig. Andererseits gibt es gute Gründe dafür. Neue Manöver erfordern hohe Konzentration. Mit zunehmender Ermüdung steigt das Risiko, Fehler zu machen. Besonders bei anspruchsvollen Manövern kann die mentale Belastung erheblich sein. Hinzu kommt die Belastung des Trainers: Er muss bei jedem Flug eines Teilnehmers aufmerksam sein, die Situation beurteilen, gegebenenfalls über Funk eingreifen und anschließend die Aufnahmen analysieren. Mehr Flüge bedeuten daher nicht automatisch mehr Lernfortschritt. Mit wachsender Erfahrung und zunehmender Gewöhnung an das Manöverfliegen kann die individuelle Belastbarkeit steigen. Für Einsteiger oder Piloten, die neue Manöver erlernen, können zwei bis drei konzentrierte Flüge jedoch bereits sinnvoll sein.

Das Wetterrisiko eines mehrtägigen SIVs

Ein weiterer Aspekt sind die hohen Kosten professioneller SIV. Ein mehrtägiges Training unterliegt denselben Wetterbedingungen wie jeder andere Gleitschirmflug. Trotz mehrerer gebuchter Tage kann das Wetter dazu führen, dass nur wenige Flüge möglich sind. Ein zweitägiges oder dreitägiges SIV kann deshalb im ungünstigsten Fall nur eine geringe Anzahl tatsächlich durchgeführter Trainingsflüge hervorbringen. Das führt verständlicherweise zu der Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Gleichzeitig wird in der Diskussion ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dies kein Anbieter-Bashing sein soll. Professionelle SIV-Anbieter haben erhebliche Kosten für Organisation, Personal, Boote, Funk, Video, Versicherung und Logistik. Auch die Begrenzung der Fluganzahl ist aus Sicherheitsgründen nachvollziehbar.

Warum längere SIVs insbesondere für Anfänger sinnvoll sein können

Mehrere Teilnehmer berichten, dass sie längere Trainings – beispielsweise über eine Woche – besonders bei ihren ersten SIV-Erfahrungen als wertvoll empfunden haben. Der Vorteil besteht darin, dass sich über mehrere Tage eine gewisse Routine und Gewöhnung an das Manöverfliegen entwickeln kann. Bei einem sehr kurzen Training endet das SIV möglicherweise genau dann, wenn der Pilot gerade beginnt, sich an die Abläufe zu gewöhnen. Ein längeres Training kann dagegen ermöglichen:

  • Theorie und Grundlagen zu erarbeiten,
  • ein Manöver erstmals auszuführen,
  • Fehler zu analysieren,
  • das Manöver erneut zu versuchen,
  • die eigene Sicherheit und das Vertrauen zu steigern und
  • anschließend mit weniger Unterstützung weiterzuarbeiten.

Allerdings bedeutet eine längere Veranstaltung nicht automatisch mehr Flugzeit. Wetter und Gruppengröße bleiben entscheidende Faktoren.

Unmittelbar nach dem SIV weitertrainieren

Ein wesentlicher Konsens der Diskussion lautet, dass nach dem professionellen SIV ein eigenständiges Training sinnvoll und teilweise unverzichtbar ist. Denn erst durch Wiederholung wird aus einer einmal erlernten Technik eine zunehmend stabile Handlung. Dabei sollte das selbstständige Training nicht mit einem professionellen SIV gleichgesetzt werden. Es ist vielmehr eine Fortsetzung bzw. Vertiefung des Gelernten. Gerade bei Piloten mit höherem Erfahrungsstand führt langfristig kaum ein Weg am Training außerhalb eines SIV vorbei.

Als besonders sinnvoll wird beschrieben, direkt im Anschluss an ein SIV noch einige Tage eigenständig zu trainieren. Der Vorteil: Das Gelernte ist noch frisch. Wird beispielsweise ein Manöver während eines SIV erlernt und erst mehrere Monate später wieder versucht, kann die mentale Hemmschwelle deutlich größer sein. Unmittelbares Weitertrainieren kann dagegen helfen,

  • die Abläufe zu festigen,
  • Vertrauen aufzubauen,
  • die Erinnerung an die korrekte Technik zu erhalten,
  • Unsicherheiten frühzeitig zu erkennen und
  • den Übergang vom angeleiteten zum selbstständigen Training zu erleichtern.

Einige Trainer gestalten deshalb bereits den letzten SIV-Flug so, dass der Teilnehmer möglichst selbstständig agiert und der Trainer nur im Notfall über Funk eingreift. Dieser Ansatz bildet einen sinnvollen Zwischenschritt zwischen betreutem und eigenständigem Training.

Eigenständiges Training ist mental anspruchsvoll

Der Wechsel vom SIV mit Trainer zum alleinigen Training wird als erhebliche mentale Veränderung beschrieben.Während des SIV weiß der Pilot, dass im Hintergrund ein erfahrener Trainer beobachtet und im Notfall eingreifen kann. Beim eigenständigen Training fehlt diese zusätzliche Sicherheitsinstanz. Das führt dazu, dass sich der Pilot wesentlich intensiver mit Fragen auseinandersetzen muss wie:

  • Was mache ich, wenn das Manöver anders verläuft als geplant?
  • Welche Reaktion folgt auf welchen Fehler?
  • Wann breche ich das Manöver ab?
  • Wie viel Höhe benötige ich?
  • Bin ich mental und körperlich heute überhaupt bereit dafür?
  • Ist das aktuelle Wetter geeignet?

Gerade diese Vorbereitung kann wiederum einen wichtigen Lerneffekt darstellen.

Schrittweise Steigerung statt „blindes“ Ausprobieren

Eigenständiges Training bedeutet ausdrücklich nicht, ein neues Manöver ohne Vorbereitung auszuprobieren. Vor allem bei anspruchsvollen Manövern wird eine gründliche Vorbereitung als notwendig angesehen:

  • theoretische Auseinandersetzung,
  • Visualisierung des Ablaufs,
  • Kenntnis der korrekten Technik,
  • Vorbereitung auf mögliche Fehler,
  • Durchspielen von „Was-wenn?“-Szenarien,
  • ausreichend Höhe,
  • geeignete Wetterbedingungen,
  • passendes Equipment,
  • realistische Einschätzung des eigenen Könnens.

Das Ankreuzen eines Manövers als „neu für mich“ bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass es unmöglich ist, es selbstständig zu trainieren. Entscheidend ist vielmehr, wie gut der Pilot vorbereitet ist und wie hoch das Fehlerpotenzial des jeweiligen Manövers ist.

Nicht jedes Manöver ist gleich riskant

Ein wichtiger Grundgedanke der Diskussion ist, dass jedes Manöver ein individuelles Sicherheitspolster benötigt. Einige Manöver können relativ kontrolliert und mit geringem Risiko angetestet werden, während andere eine deutlich größere Sicherheitsreserve benötigen. Als Beispiele werden genannt:

Eher progressiv erlernbar:

Wingover: Bei ausreichendem Verständnis der Technik kann die Dynamik schrittweise gesteigert werden. Gleichzeitig hängt die Sicherheit stark vom Trainingsstand ab.

Steilspirale: Nach dem ersten Erlernen von Einleitung und Ausleitung kann die Übung vorsichtig intensiviert werden. Die Kontrolle der Sinkgeschwindigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle.

Deutlich höhere Anforderungen:

Full Stall: Erfordert erhebliche Einsatzbereitschaft und kann bei Fehlern sehr dynamisch werden.

SAT: Hat ein höheres Überraschungs- und Fehlerpotenzial und sollte entsprechend vorbereitet und abgesichert werden.

Wingover: Kann – abhängig vom Trainingsstand und von der Größe der Dynamik – ebenfalls ein erhebliches Risiko darstellen.

Die entscheidende Aussage lautet deshalb: Die Frage „Kann ich das alleine trainieren?“ lässt sich nicht pauschal für alle Manöver beantworten.

Training über Wasser als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme

Mehrfach wird das Training über Wasser mit Schwimmweste und Boot als sinnvoller Zwischenschritt erwähnt. Insbesondere für anspruchsvollere Manöver kann dies psychologisch und sicherheitstechnisch Vorteile bieten. Ein Pilot kann sich beispielsweise nach einem professionellen SIV dazu entscheiden, erste selbstständige Full Stalls nicht über Land, sondern über einem geeigneten Gewässer durchzuführen. Dabei bleibt allerdings die Notwendigkeit einer umfassenden Vorbereitung bestehen. Auch über Wasser verschwinden die Risiken eines Manövers nicht vollständig. Interessanterweise wird beschrieben, dass die ersten selbstständigen Versuche mental deutlich anspruchsvoller sein können als das Training mit Trainer. Die Abwesenheit der Stimme des Trainers zwingt den Piloten zu einer wesentlich intensiveren Vorbereitung.

Equipment, mentale Verfassung, Wetter und Ort

Bei einem eigenständigen SIV-ähnlichen Training sind neben dem Manöver selbst mehrere Faktoren entscheidend.

Die persönliche Sicherheitsausrüstung spielt eine zentrale Rolle. Genannt wird beispielsweise die Verwendung von mindestens zwei Rettungsgeräten für anspruchsvollere Übungen. Die konkrete Ausrüstung muss selbstverständlich zum Training, zum Piloten und zur jeweiligen Situation passen.

Nach einem langen XC-Flug oder bei hoher mentaler Belastung sollte kritisch hinterfragt werden, ob noch ausreichend Konzentration für ein anspruchsvolles Manöver vorhanden ist. „Noch schnell ein Manöver vor der Landung“ ist nicht automatisch sinnvoll.

Turbulente oder unvorhersehbare Bedingungen können das Training deutlich anspruchsvoller machen. Ein Manöver, das unter ruhigen Bedingungen gut kontrollierbar erscheint, kann unter anderen Bedingungen wesentlich dynamischer werden.

Auch die Wahl des Trainingsortes ist entscheidend. Ausreichende Höhe, geeignete Umgebung und – bei Wassertraining – eine professionelle Rettungsorganisation können wesentliche Sicherheitsfaktoren sein.

Sicherheitspuffer statt Minimalhöhe

Ein wiederkehrendes Prinzip der Diskussion ist die Bedeutung eines ausreichenden Sicherheitspuffers. Nicht jedes Manöver sollte mit derselben Höhe und demselben Abstand zum Boden trainiert werden. Ein einfacheres Manöver kann unter Umständen näher am Boden trainiert werden als ein dynamisches Manöver mit hohem Fehlerpotenzial. Bei neuen oder noch nicht sicher beherrschten Manövern sollte dagegen besonders viel Höhe zur Verfügung stehen. Mit wachsender Erfahrung kann der Pilot die benötigte Sicherheitsreserve besser einschätzen. Für Lern- und Trainingssituationen gilt jedoch grundsätzlich:

Je größer das mögliche Fehlerpotenzial, desto größer sollte auch der Sicherheitspuffer sein.

Training als langfristiger Sicherheitsgewinn

Trotz aller Diskussion über Risiken besteht ein deutlicher Konsens darüber, dass regelmäßiges Training grundsätzlich zur Sicherheit beitragen kann. Ein Pilot, der Störungen und dynamische Situationen regelmäßig erlebt und deren korrekte Reaktionen trainiert, kann im Ernstfall möglicherweise schneller und kontrollierter reagieren. Dabei ist jedoch die Qualität des Trainings entscheidend. „Mehr Übung“ bedeutet nicht automatisch „mehr Sicherheit“. Sinnvoll ist vielmehr: mehr qualitativ gutes Training, angemessene Fortentwicklung, ausreichender Sicherheitspuffer. Überforderung, Müdigkeit oder ein zu schneller Einstieg in anspruchsvolle Manöver können den gegenteiligen Effekt haben.

Das SIV als Möglichkeit, „blinde Flecken“ zu entdecken

Ein besonders interessanter Ansatz der Diskussion ist, das SIV nicht ausschließlich als Ort zum Erlernen bestimmter Manöver zu betrachten. Vielmehr kann es als eine Art professioneller Spiegel der eigenen Fliegerei verstanden werden. Der Pilot erhält Informationen darüber, was er gut beherrscht und wo sich möglicherweise unerkannte Schwächen befinden. Diese „blinden Flecken“ können anschließend gezielt und eigenständig bearbeitet werden. Damit verschiebt sich die Zielsetzung:

Nicht unbedingt:

„Nach dem SIV muss ich alle Manöver beherrschen.“

Sondern eher:

„Nach dem SIV weiß ich besser, wo ich stehe, was ich verbessern muss und wie ich sicher weitertrainieren kann.“

SIV als Teil einer kontinuierlichen Trainingskultur

Die Diskussion stellt schließlich die grundsätzliche Frage, warum Gleitschirmpiloten nach dem Erwerb des Scheins häufig nur noch relativ wenig strukturiertes Training erhalten. In vielen anderen Sportarten ist es normal, auch als fortgeschrittener Sportler regelmäßig mit Trainern zu arbeiten. Beim Gleitschirmfliegen dagegen ist die Entwicklung häufig stark autodidaktisch geprägt. Eine ideale Trainingsstruktur könnte deshalb aus mehreren Ebenen bestehen:

  • Grundausbildung → Erwerb der fliegerischen Grundlagen
  • Professionelles Sicherheitstraining → Störungen, Manöver, Technik und Feedback
  • Eigenständiges Training → Wiederholung und Festigung
  • Mentoren, Verein oder Trainingsgruppe → gegenseitiges Feedback und Erfahrungsaustausch
  • Regelmäßige professionelle Trainings → neue Impulse und Überprüfung des eigenen Könnens

Damit wäre das SIV nicht als einmaliges Ereignis zu verstehen, sondern als Bestandteil einer langfristigen Weiterbildung.

Qualität der heutigen SIV-Ausbildung

In der Diskussion wird außerdem darauf hingewiesen, dass sich die Qualität professioneller Sicherheitstrainings durch die Zertifizierungen und Standards von DHV, ÖAeC und SHV deutlich vereinheitlicht habe. Während es früher größere Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Anbietern gegeben habe, seien die zugelassenen Schulen heute auf einem insgesamt hohen Niveau. Für Anfänger bedeutet das eine deutlich größere Sicherheit bei der Auswahl eines professionellen Trainings. Wenn mehrere Anbieter fachlich vergleichbar qualifiziert sind, können daher andere Faktoren entscheidend werden:

  • persönliche Sympathie,
  • Kommunikationsstil,
  • didaktischer Ansatz,
  • Erfahrung mit bestimmten Schirmen,
  • Trainingsphilosophie,
  • Gruppengröße,
  • Videoanalyse,
  • organisatorische Rahmenbedingungen.

Fazit

Die Diskussion zeichnet ein differenziertes Bild vom Verhältnis zwischen professionellem SIV und eigenständigem Sicherheitstraining. Ein professionelles SIV ist vor allem ein Lern-, Analyse- und Feedbackinstrument. Es ermöglicht, neue Manöver unter kontrollierten Bedingungen kennenzulernen, die richtige Technik zu erarbeiten, Fehler zu erkennen und durch einen erfahrenen Trainer unmittelbar Rückmeldung zu erhalten.

Es ist dagegen nicht primär dafür ausgelegt, jedes Manöver durch eine große Zahl von Wiederholungen zu automatisieren. Dafür ist eigenständiges Training nach entsprechender Vorbereitung sinnvoll und langfristig notwendig. Gleichzeitig sollte eigenständiges Training keinesfalls als Ersatz für professionelle Anleitung verstanden werden. Besonders bei anspruchsvollen Manövern mit hohem Fehler- oder Überraschungspotenzial bietet ein Trainer eine wichtige zusätzliche Sicherheitsreserve.

Der sinnvollste Ansatz scheint daher eine Kombination zu sein: professionelles SIV zum Lernen und zur Standortbestimmung → unmittelbare eigenständige Wiederholung → schrittweise Steigerung → regelmäßige professionelle Überprüfung.

Entscheidend ist dabei immer die individuelle Situation. Manöver, Wetter, Ort, Ausrüstung, körperliche und mentale Verfassung sowie Erfahrung müssen gemeinsam betrachtet werden. Der zentrale Gedanke lässt sich daher auf eine einfache Formel bringen: Training macht nicht automatisch sicherer – gutes, systematisches und angemessen abgesichertes Training schon. Oder anders formuliert: Das Ziel eines SIV sollte nicht sein, möglichst viele Manöver möglichst schnell abzuhaken. Der größere langfristige Wert besteht darin, die eigenen Fähigkeiten, Grenzen und Schwachstellen besser zu verstehen und anschließend gezielt daran zu arbeiten.

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