Test Ozone Ozium 3

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Das Ozium 3 ist das Nachfolgemodell des Ozium 2, das ich persönlich für ein gelegentliches Hike-and-Fly fliege. Bei der Entwicklung des Oziums wurde viel vom F*race 2 kopiert.

Da mein Blog oft von einem Smartphone besucht wird und Tabellen im Hochformat nur schwer zu lesen sind, habe ich mich wieder für den Fließtext entschieden. Ich vergleiche das Ozium 3 im folgenden Text mit dem Gurtzeug The Sock von AirDesign, das ich vor einiger Zeit getestet habe, da dieses im Aufbau und Design vergleichbar ist.

Produkt

Getestet wurde das Ozium 3 des französischen Herstellers Ozone. Das Gurzeug ist fast komplett in Schwarz gehalten, unterbrochen nur durch blaue streifenartige Designelemente im Korpus und Bürzel. Auf der Homepage werden keine Designvarianten angeboten.

Verwendung

Der Leichtbauweise entsprechend sind die Zielgruppen Hike-and-Fly- und Biwakpiloten. Dennoch wird das Gurtzeug von Ozone aber auch als Allrounder beworben.

Testort und Wetterbedingungen

Getestet habe ich das Gurtzeug am Wallberg, einem bekannten Flugberg in den bayerischen Alpen, bei größtenteils moderaten Bedingungen und zwei heftigen Thermiken und vorwiegend leichtem bis stärkerem Wind aus Nordwest bis Nord. Meine Erfahrungen konnte ich bei zwei Abgleiter und einem längeren Flug sammeln.

Testequipment

Geflogen bin ich mit dem Gurtzeug und meinem Iota DLS Gleitschirm, bei einem Abfluggewicht von ca. 95 kg. Bei meiner Körpergröße von 1,76 m passt die Gurtzeug-Größe M.

Zertifikat

Das Zertifikat und der Testreport beider Protektorvarianten sind hier abrufbar.

Sicherheitshinweise

Bisher wurden keine Sicherheitshinweise veröffentlicht.

Lieferumfang

Eine batteriebetriebene Mikropumpe und ein Packsack mit Aufblasfunktion. Ein Innencontainer für die Rettung fehlt leider im Lieferumfang.

Handbuch

Die Bedienungsanleitung gibt es zum Download nur in Englisch. Beim Ozium 2 gab es die Beschreibung auch auf Deutsch und anderen Sprachen. Möglicherweise werden die noch zur Verfügung gestellt. Im Handbuch fehlen bestimmt kleinere Punkte, wie z. B. fehlt das Schließen der Schnallen im Brustbereich und wie die Elektropumpe zum Batterietausch zu öffnen ist.

Auf der gleichen Seite sind weiterhin die Zertifikate der Protektoren zu finden.

Konstruktion

Technische Daten

Das Gurtzeug kann in vier Größen (S, M, L und XL) für Piloten von 155 bis 205 cm geliefert werden, also einem recht großen Spektrum an Körpergrößen. Die Gewichte sind für Größe M 2,95 kg und für L 3,00 kg, also schwerer im Vergleich zum The Sock, der ansonsten ähnlich im Aufbau ist. Die Gewichte der Größen S und XL waren zum Erstellen des Berichts nicht verfügbar, wahrscheinlich weil diese noch nicht zertifiziert waren. Die maximale Zuladung für alle Größen beträgt 120 kg.

Aufbau

Das Gurtzeug besitzt ein herausnehmbares Sitzbrett, die Sitzfläche ist ca. 42 cm lang und bietet eine gute Unterstützung der Beine. Das Sitzbrett ist nur ca. 21 cm lang und deckt nur die vordere Hälfte der Sitzfläche ab (Foto 10). Die Beingurte sind sehr breit ausgelegt (Foto 11).

Die Tiefe der Aufhängung der Karabiner beträgt etwa 39 cm. Auch das Ozium, ähnlich dem The Sock, hat ein großes Fußbrett mit 34 cm, da hat auch der größere Fuß genügend Raum zur Verfügung. Der Beinsack wird im oberen Bereich mit einem Magnetstreifen zusammengehalten, der nach dem Hereinsetzen sofort schließt und den Beinsack gut dicht anhalten (Foto 7).

Das Gurtzeug verfügt über ein ABS-System, das sich als sehr wirksam erwiesen hat.

Material

Bei anderen Herstellern ist zwar der Materialmix angegeben, aber wo genau welches Material verbaut ist, ist nicht exakt angegeben. Ozone macht es besser und stellt das grafisch dar. In der Grafik unten ist zu sehen, dass im dunkelblauen Bereich 70D‑Ripstop, im hellblauen Bereich Lycra und im grünen Bereich 20D‑Ripstop verwendet wurde.

Quelle: Ozone

Protektor

Den Protektor gibt es nur als Luftprotektor, ein Schaumprotektor ist nicht verfügbar. Der Protektor ist am Rücken hochgeführt, somit kann man davon ausgehen, dass der Rücken im Fall eines Falls gut geschützt ist. Andererseits erhöht das den Sitzkomfort, das kommt einer Sitzschale schon sehr nah. Der Protektor kann mit der mitgelieferten Pumpe aufgepumpt werden oder alternativ mit dem Packsack, der auch als Pumpsack dient, aufgepumpt werden. Für eine ausgedehnte Biwaktour, bei der jedes Gramm zählt, mag das die bessere Alternative sein.

Quelle: Ozone

Die elektrische Luftpumpe ist mit einer Batterie in einer nicht üblichen Größe bestückt (Foto 8). Ich vermute mal, die bekommt man nicht in jedem Supermarkt, ein Nachteil, falls mal unterwegs der Saft ausgeht. Ich finde einen Akku mit Lademöglichkeit über USB-C die zeitgemäße Lösung.

Beschleuniger

Der Beschleuniger ist dreistufig aufgebaut, nur die oberste Stufe ist leicht versteift. Die Breite der unteren Stufen sind jeweils nur für einen Fuß ausgelegt, und ein Seil für die unterste Stufe verläuft über die 2. Stufe (Foto 9). Aus meiner Sicht keine gute Lösung. Falls ich mir den Ozium zulegen würde, würde ich wahrscheinlich einen anderen Beschleuniger mit versteiften Stufen einbauen. Die Umlenkrollen sind von Ronstan und haben keine weitere Führung.

Stauraum

Stauraum hat der Ozium sehr viel zu bieten. Das Cockpit fällt wegen dem Rettungsfach weg, aber dafür sind die Seitentaschen sehr tief (38 cm). Handschuhe verlieren sich fast bei der Tiefe. Es könnte sich als schwierig erweisen, ein bestimmtes Zubehör aus der Seitentasche im Flug herauszuholen. Auf der Homepage ist der gesamte Stauraum mit 65 Litern angegeben, das sollte auch für Biwak-Abenteuer ausreichen.

Quelle: Ozone

Rettungsschirm

Die Installation des Rettungsschirms ist einfach und gut in der Anleitung erklärt (Foto 5). Man benötigt kein Werkzeug zur Installation. Der Stauraum ist breiter als lang. Dementsprechend ist darauf zu achten, dass der Retter im entsprechenden Format gepackt ist. Allzu groß ist der Stauraum nicht zu bemessen, man benötigt kompakte Rettungsschirme. Für die Gurzeug-Größen S und M stehen 5 Liter und für L und XL 6 Liter Stauraum zur Verfügung. Die Verbindungsleine ist rechts am Piloten vorbeigeführt und im Rückenbereich mit dem Gurtzeug verbunden. Das gewährleistet eine Landung mit Rettungsschirm im Stehen.

Cockpit

Das Instrumentenbrett ist mit 29 × 12 cm² für ein Hike-and-Fly-Gurtzeug großzügig ausgelegt (Foto 6). Die Ausrichtung des Instrumentenbretts sorgt für eine optimale Sichtbarkeit der Instrumente.

Befestigungsmöglichkeiten

Der Wasserschlauch wird im Rückenfach untergebracht. Die Durchführung des Wasserschlauchs ist großzügig ausgelegt. Am linken Schultergurt ist Klettband zur Befestigung des Varios vorhanden. Direkt oberhalb der Karabiner sind kleine Taschen für Funkgeräte o. Ä. angebracht.

Qualität

Die Verarbeitungsqualität scheint, soweit ich das beurteilen kann, gut. Ich konnte keine Mängel bei der Naht feststellen. Die Durchführung des Beschleunigers am Korpus ist aus Gummi. Natürlich ist wie bei jedem Gurtzeug in Leichtbauweise das Material empfindlicher und entsprechend sorgsam zu behandeln.

Einstellungen

Beinsack und Beschleuniger

Die Länge des Beinsacks und der Winkel des Fußbretts lassen sich einfach stufenweise über Knoten in den Seilen einstellen. Die Abstände der Knoten betragen 2,5 cm. Ich selbst musste an den Einstellungen nichts ändern, das Gurtzeug passte sofort wie angegossen.

Der Beschleuniger wird ebenfalls über Knoten im Beschleunigerseil im Beinsack verlängert oder verkürzt. Eine Verstellung im Flug ist nicht möglich.

Sitz und Brustgurt

Schultergurte können im Flug eingestellt werden, alle anderen Einstellungen wie die Lendenunterstützung müssen im Simulator vorgenommen werden. Der Abstand der Karabiner ist nicht möglich.

Das ABS-System lässt sich mit den Einstellriemen justieren. Für eine geringere Rollreaktion und weniger Feedback vom Gleitschirm müssen die Einstellriemen verkürzt werden, für eine stärkere Rollreaktion und mehr Feedback müssen die Einstellriemen gelockert werden.

Einstellungen am Cockpit sind nicht möglich, waren aber auch nicht notwendig.

Fliegen

Vorbereiten

Das Aufpumpen des Protektors, verursacht durch das große Volumen des Protektors, dauert relativ lang. Ansonsten geht das Anlegen einfach und schnell vonstatten.

Anlegen

Um die Verwechselungsgefahr zu verringern, sind die Schnallen rot und blau markiert. Der Brustgurt hängt weit unten, was die Kontrolle, ob diese geschlossen sind, nach dem vollständigen Anlegen des Gurtzeugs erschwert. Das Gurtzeug verfügt über ein Anti-Forget-System.

Die Karabiner werden geschraubt, was einerseits eine kraftschlüssige Schließung gewährleistet, andererseits ein schnelles Öffnen verhindert (z. B. nach einer Wasser- oder Starkwindlandung).

Start

Das Starten gestaltet sich einfach, durch die breiten Beingurte auch gänzlich schmerzfrei im Schritt. Das Hereinsetzen in das Gurtzeug ist ebenfalls einfach, den Beinsack über das Gummiseil einzuholen, ist ebenfalls problemlos möglich.

Beinsack

Die Schließung des Beinsacks, gewährleistet durch den Magnetverschluss, ist einwandfrei, die Stoffspannung ist sauber, es sind wenig Falten zu sehen. Die Spannung des Beinsacks ist aber nicht so sauber wie im Vergleich zum The Sock. Der Beinsack schützt gut gegen Zugluft, nur im unteren Teil ohne Magnetschließung öffnet sich manchmal ein Schlitz, der für ein wenig Zugluft sorgt. Eine komplette Magnetschließung würde hier Abhilfe schaffen.

Beschleunigen

Das Betätigen des Beschleunigers war sehr leichtgängig. Hier machten sich wohl die Ronstan-Umlenkrollen und die nicht vorhandenen Führungen bemerkbar. Allerdings hatte ich Schwierigkeiten, die unteren zwei Stufen, mit den Füßen zu fassen. Ich musste immer wieder den Beinsack öffnen, um nachzuschauen, wo die Seile des Beschleunigers sind.

Fluggefühl

Bei der Standardeinstellung des ABS‑Systems ist das Gurtzeug relativ kipplig und mitteilungsfreudig. Ich würde trotzdem sagen, etwas weniger nervös als das Ozium 2. Da ich eher Ruhe im Flug haben möchte, habe ich das ABS‑System so kurz wie möglich eingestellt. Und siehe da: In der teilweise ruppigen Thermik am späteren Nachmittag hat sich das Gurtzeug ruhig angefühlt. Ich hätte nicht gedacht, dass ein paar Zentimeter Änderung eine solche Wirkung entfalten können.

Manöver

Kurven mit Bremseinsatz sind sehr einfach zu fliegen. Bedingt dadurch, dass das Sitzbrett nur die vordere Hälfte der Sitzfläche belegt, bietet es nahezu keine Unterstützung beim Kurvenflug, nur mithilfe von Gewichtsverlagerung. Die Idee, die dahintersteckt, nur ein kurzes Sitzbrett zu verbauen, ist mir unklar. Da, wo es darauf ankommt, nämlich ein Sitzbrett unter dem Gesäß, fehlt dieser. Ansonsten waren keine Auffälligkeiten bei verschiedenen Manövern zu verzeichnen.

Einstellungen

Einstellungen sind, außer an den Schultergurten, in der Luft praktisch nicht möglich. Fast alle Einstellungen müssen vorab im Simulator gemacht werden.

Sonstiges

Die Fußplatte macht knarzende Geräusche, der Schlauch vom Protektor erzeugt manchmal leicht pfeifende Geräusche. Beides stört nicht wirklich beim Fliegen. Was aber stört: Beim Nach-rechts-Drehen des Kopfs bin ich des Öfteren an den Schlauch gestoßen. Der Rettergriff ist immer sichtbar, das vermittelt ein gutes Gefühl in der Luft.

Landen

Das Aufrichten und Aussteigen sind problemlos möglich.

Packen

Nach dem Öffnen des Protektors entweicht die Luft mit ein wenig Nachhelfen. Das Gurtzeug lässt sich sehr kompakt zusammenfalten.

Erfahrungen

Im englischen Forum berichten verschiedene Piloten von ihren Erfahrungen mit dem Gurtzeug. Die Meinungen gehen dabei weit auseinander.

Fazit

Positiv

  • Sehr wirksames ABS-System.
  • Viel Stauraum.
  • Rettercontainer vorn, Aufhängung der Verbindungsleine im Rücken.
  • Einfach zu betätigender Beschleuniger.

Negativ

  • Schwierig mit dem Fuß zu fassender Beschleuniger.
  • Wenig wirksames Sitzbrett.

Das Ozium 3 gefällt mir insgesamt sehr gut, mit einigen Schwächen. Der Materialmix scheint mir ein gelungener Kompromiss zwischen Langlebigkeit und Gewicht.

Möchtest du weiterhin Tests von Gurtzeugen hier nachlesen können? Ich habe zwar keine hohen Unkosten, aber als Zeichen deiner Wertschätzung von dir, würde ich mich über eine kleine Spende von dir freuen. Wie du spenden kannst, kannst du hier nachlesen. Vielen Dank.

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