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Einen Flugplan erstellen – Update

Mit ThermiXC hat Bernd Gassner uns Gleitschirmfliegern ein hervorragendes Tool zur Verfügung gestellt, um größere Strecken zu planen. Wie ich meine Effizienz beim Streckenfliegen mithilfe dieser Webseite in Kombination mit sonstigen Quellen wie z.B. Büchern, YouTube Videos, Magazinen, Blogs usw. steigern möchte, erkläre ich in diesem Beitrag.

Grundsätze

Der grundsätzliche Aufbau der Flugpläne ist sehr stark schematisiert und standardisiert. Das soll dazu beitragen, die Flugplanung zu erleichtern und die Informationen, die man sucht, möglichst schnell zu finden. Der von mir ausgefüllte Flugplan kann aus dem entsprechenden Beitrag als Excel-Datei heruntergeladen werden und nach eigenen Anforderungen angepasst und erweitert werden. Jeder interessierte Pilot ist dazu aufgerufen, Korrekturen und Erweiterungen zu den Flugplanungen mir zukommen zu lassen.

Im Folgenden kannst du dir eine nackte Vorlage als Excel-Datei herunterladen und für deine eigene Flugplanung benutzen.

Einschränkungen

Die Erläuterungen und Flugpläne, die ich in diesem Blog kostenlos zur Verfügung unterliegen folgenden Einschränkungen:

  • Der Pilot hat sich selbstständig über die meteorologischen Bedingungen am Flugtag zu erkundigen
  • Die Lufträume, sonstige Einschränkungen sowie die tagesaktuellen NOTAMs sind zu überprüfen
  • Gefahrengebiete und Notlandplätze sind zu überprüfen
  • Du musst selbstständig entscheiden, ob deine Fähigkeiten für die geplanten Flug ausreichend sind
  • Die Angaben im Flugplan sind auf meine Fähigkeiten abgestimmt. Angaben z.B. zu Notlandeplätzen können für den Beginner nicht geeignet sein, während der Profi das Landen nur ein müdes Lächeln abringt
  • Die Flugpläne werde ich nur aktualisieren, wenn ein geplanter Flug unmittelbar bevorsteht. Die Verhältnisse auf der geplanten Route können sich im Laufe der Zeit ändern
  • Ich bin selbst nur ein unterdurchschnittlicher Streckenflugpilot, daher sind meine Planungen sicher fehlerhaft und unvollständig. Daher kann ich natürlich keinerlei Garantien für die Korrektheit der Flugpläne geben
  • Weiterhin habe ich mir den Flugplan nur theoretisch auf Grundlage von Literatur, YouTube Videos, Forum Beiträge usw. ausgedacht, ob der Flugplan sich in der Praxis bewährt, wird sich in diesem Jahr (hoffentlich) herausstellen

Tools

Im Folgenden sind die Tools aufgelistet, die ich für das Ausfüllen des Flugplans benutze. Ausgenommen hiervon sind die Tools, die ich für die Wettervorhersage benutze, die ich an dieser Stelle nicht vorstellen möchte.

ThermiXC

ThermiXC ist wohl das wichtigste Tool, um eine Flugplanung durchzuführen. Um mit guter Wahrscheinlichkeit thermischen Anschluss zu bekommen, setze ich die Wegpunkte so, wie sie mir mit “kk7 Thermals” und “kk7 Hotspots” angezeigt werden. Um eine gute Route zu finden, schalte ich zeitweise “kk7 Skyways all time&date” ein.

Um die Entfernung zwischen den Wegpunkten zu ermitteln, ist der erste Wegpunkt anzuklicken, jetzt sollte ein blaues Fähnchen erscheinen (oft verdeckt das rote Wegpunkt-Fähnchen). Dann ist der zweite Wegpunkt anzuklicken, in Klammern wird die Entfernung angezeigt, in diesem Fall 1880 m. Weiterkann direkt die Höhe über MSL des Wegpunkts abgelesen werden

OpenTopoMap

Da leider in der Karte von ThermiXC nicht alle Namen der Berge verzeichnet sind (ThermiXC basiert auf Google Maps), benutze ich OpenTopoMap, um sinnvollerweise die Wegpunkte nach den Namen der Berge (wo vorhanden) zu benennen.

DFS, Austro Control, ENAV und OpenAIP

Da ich meistens in Deutschland, Österreich oder Italien fliege, benutze ich deren Internetseiten der jeweiligen Flugsicherungen DFS, Austro Control, ENAV und OpenAIP um mich über Lufträume, Einschränkungen, NOTAMs, Regulierungen und Flugfunkfrequenzen kundig zu machen und ein Homebriefing durchzuführen.

Viento valley wind

Seit neuesten kann man in ThermiXC sich auch die Talwindsysteme anzeigen lassen. Hierzu ist ein Abonnement bei Viento notwendig. Die Anzeige benutze ich, um Soaring Kanten, die einem das Überleben in der Luft sichern könnten, zu identifizieren. Weiterhin können Gefahrenstellen durch Leefallen oder schwierige Streckenabschnitte (die möglicherweise vermieden werden können) durch starke Talwindsysteme erkannt werden.

Google Earth

Google Earth nutze ich, um Notlandegebiete, Einschränkungen und Gefahren auf der geplanten Route zu finden und zu erkennen.

DHV-XC, XContest

Die Online Contest Plattformen DHV-XC und XContest nutze ich, um andere Flüge zu analysieren und die Pilotenkommentare auszuwerten und möglicherweise in die eigene Flugplanung einfließen zu lassen.

Der Flugplan als Excelliste

Der Flugplan gliedert sich in die Bereiche “Generic information” und “Route information”. Der Bereich “Route information” wiederum ist unterteilt in 50 Flugabschnitte, die jeweils von Startwegpunkt und Zielwegpunkt eingegrenzt sind. Die Bedeutung der einzelnen Zeilen ist weiter unten erklärt.

Die weiß hinterlegte Zellen sind zum Ausfüllen gedacht, die grau hinterlegten sollten man nicht verändern. Aber in die Excel-Liste ist nichts gesperrt, es kann also nach Belieben erweitert, geändert und gelöscht werden.

Generic information

In diesem Bereich sind allgemeine Angaben zum Flugplan hinterlegt.

Titel

Titel der Aufgabe, z.B. “Das Karwendel Dreieck”.

Flight area

Kurze Beschreibung des Gebiets, für das der Flugplan gültig ist.

Task description

Allgemeine kurze Beschreibung der geplanten Route.

General comments

Allgemeine Kommentare, z.B. welcher Monat sich am besten für die gestellte Aufgabe eignet.

Weather condition

Die Wetterbedingungen die für die Durchführung der Aufgabe geeignet sind, z.B. benötigte Basishöhe, vorteilhafte Windrichtung und -stärke.

Weather forecast

Eine kurze Beschreibung der Großwetterlage, Frontendurchgänge, Wetter in den letzten Tagen etc.. Thermikbeginn und -Ende, Thermikstärke, Wolkenbasis im Tagesverlauf. Windstärke und Richtung auf der geplante Route.

Die Angaben können natürlich nur am und kurz vor dem geplanten Flugtag ausgefüllt werden.

NOTAMs

Eine kurze tagesaktuelle Zusammenfassung der NOTAMs, bekannt gegeben durch die jeweiligen Flugsicherungen der Länder in der die beabsichtigte Flugroute führt.

General restrictions

Allgemeine Beschränkungen durch Lufträume und deren Quellenangaben, sowie Angaben zu Veranstaltungen oder sonstiges, die den Flug behindern könnten.

General dangers

Bekannte Gefahrengebiete auf der Flugroute.

Key points description

Schlüsselstellen auf der geplanten Flugroute, wie z.B. lange Talquerungen, Windsysteme etc.

Info sources

Quellen, die für die Flugplanung zur Verfügung stand, wie z.B. z.B. Büchern, YouTube Videos, Magazinen, Blogs, Foren, Planungstools usw.

ThermiXC URL

Der aus ThermiXC generierte kurze URL. Die Wegpunkte und Route kann natürlich eigenen Wünschen und Vorstellungen angepasst werden. Zu jedem Wegpunkt werden die ersten zwei Buchstaben der Benennung angezeigt. Aus ThermiXC können die Wegpunkte und Route je nach verwendeten Vario heruntergeladen werden.

XC distance

Die XC Distanz, die in ThermiXC nach dem Planen der Route gemäß den FAI Regeln angezeigt wird.

XC points (XContest)

Die je nach FAI Aufgabe (Dreieck, flaches Dreieck etc.) in ThermiXC angezeigte XC Punkte.

Distance WPs over all

Aufsummierung aller Distanzen der einzelnen Fluganschnitte, ermittelt aus den Abständen der Wegpunkte (Zeile “Distance WPs”) im Bereich “Route information”.

Travel time

Kalkulierte Reisezeit berechnet aus “Distance WPs over all” geteilt durch “Avarage travel speed”.

Flightdate

Datum des geplanten Flugtags.

Take off clock time

Uhrzeit des geplanten Starts, sollte nicht vor dem zu erwarteten Thermikbeginn liegen.

Target clock time over all

Kalkulierte Ankunftsuhrzeit errechnet aus der Startzeit “Take off clock time” plus Reisezeit “Travel time”, sollte vor dem zu erwarteten Thermikende liegen.

Glide ratio

Gleitzahl deines Gleitschirms plus den zu erwartenden Sinkrate zwischen den Thermiken. Wenn viel beschleunigt geflogen wird, ist auch das mit einzukalkulieren. Wenn dein Gleitschirm z.B. eine Gleitzahl von 1:9 hat, sollte hier eine Gleitzahl von 8 oder weniger angegeben werden.

Target WP AGL

Die gewünschte Höhe über den Zielwegpunkt über Grund in Meter. Sollte ausreichend hoch gewählt werden, um genügend Zeit für die Thermiksuche zur Verfügung zu haben.

Avarage travel speed

Geplante durchschnittliche Fluggeschwindigkeit. Bei Oneway Flügen können höhere Geschwindigkeiten angesetzt werden, als im Vergleich zu Dreiecksflügen. Für den Streckenflugbeginner sind bei FAI-Dreiecken vielleicht um die 15 km/h anzusetzen, bei Profis, die viel beschleunigt fliegen, über 25 km/h. Für Oneway Flüge kann bei viel Rückenwind ein Wert von 30 km/h oder darüber angegeben werden.

Route information

In diesem Bereich sind die einzelnen Abschnitte der Route hinterlegt. In der Vorlage findest du 50 Abschnitte, die natürlich noch beliebig erweitert werden können. Hierbei ist darauf achten, dass die hinterlegten Formeln nach dem Kopiervorgang noch stimmen.

WP name

Wegpunkt Name, dieser sollte mit dem in ThermiXC gewählten Wegpunkt Name übereinstimmen.

WP MSL

Höhe des Wegpunkts über Grund. Dieser Wert kann aus ThermiXC abgelesen werden, siehe Erläuterungen weiter oben.

Departure MSL

Berechnete Abflughöhe MSL.
Berechnung bei Auswahl des Topologie Typs “Valley”: Entfernung WPs geteilt durch Gleitzahl plus Höhe nächster WP MSL plus WP Ziel WP AGL.
Berechnung, wenn du etwas anderes wählst: Höhe nächster WP MSL plus WP Ziel WP AGL.

Aus taktischen Gründen kann es natürlich sinnvoll sein, eine wesentliche höhere Abflughöhe anzustreben. Das Ergebnis der Berechnung sagt nur aus, dass man bei den gegebenen Parametern den Zielwegpunkt in einer bestimmten Höhe erreichen würde.

Departure clock time

Um eine ungefähre Vorstellung vom Zeitmanagement im Flug zu haben, wird dieser Wert aus der vorhergehenden Uhrzeit plus Abstand der Wegpunkte geteilt durch die Durchschnittsreisegeschwindigkeit berechnet.

Distance WPs

Abstand Luftlinie zwischen von dem vorgehenden Wegpunkt bis zum nächsten Wegpunkt. Gemessen kann der Abstand mithilfe von ThermiXC, siehe Erläuterungen weiter oben.

Topology type

Topologie type “Valley”, “Ridge”, “Flat” oder “Void” wird genutzt, um die Abflughöhe (Zeile Departure MSL) zu berechnen. Wähle “Valley” falls sich zwischen den Wegpunkten ein Tal befindet und wähle “Ridge” oder “Flat” falls du einer Bergkette entlang oder im Flachen fliegst.

Generic

Allgemeine Hinweise zu diesem Flugabschnitt zwischen den zwei Wegpunkten.

Restrictions

Einschränkungen bedingt durch Lufträume, Flugbeschränkungsgebiete, Naturschutzgebiete, Flugplätze etc. zwischen den zwei Wegpunkten.

Dangers

Gefahren durch Wind, Leegebiete, Talwinde, Seilbahnen usw. zwischen den zwei Wegpunkten.

Upwind zone

Bekannte Thermikpunkte und Luvgebiete.

Landing restriction

Angaben zu Landebeschränkungen durch Wälder, Gebäude, Flüsse und andere unlandbare Gebiete, sowie offizielle Landeplätze oder Notlandeplätze wie Wiesen, Parkplätze und andere Freiflächen, die groß genug sind, um mit einem Gleitschirm zu landen.

Update: Alternative Wegpunkte hinzugefügt.

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