Rezension: Paragliding 101 Ways to fly better

Paragliding: 101 Ways to Fly Better ist ein Update von Bruce Goldsmiths Buch 50 Ways to Fly Better aus dem Jahr 2013. Neben theoretischen Grundlagen enthält das Buch zahlreiche praktische Tipps. Laut Eigenwerbung bietet es alles, was man braucht, um ein besserer Pilot zu werden. Aus den behandelten Themen lässt sich ableiten, dass sich das Buch in erster Linie an Streckenflugpiloten richtet. Die Zielgruppe sind Piloten, die bereits Erfahrungen gesammelt haben und sich fliegerisch weiterentwickeln möchten.

Autoren und Aufbau

Die Hauptautoren sind Bruce Goldsmith, Théo de Blic und Greg Hamerton. Weitere Autoren sind Bastienne Wentzel, Russell Ogden, Till Gottbrath und Marcus King sowie viele andere. Wer regelmäßig das Cross Country Magazine liest oder die Gleitschirmszene verfolgt, kennt auch einige der weiteren Autoren. Man merkt, dass das Buch aus dem Cross Country Magazine hervorgegangen ist. Wer das Magazin regelmäßig liest, dem wird deshalb der eine oder andere Artikel bekannt vorkommen.

Das Buch ist als Nachschlagewerk konzipiert. Die Kapitel und die dazugehörigen Seiten sind farblich markiert, sodass man sich schnell orientieren kann. Es ist reich bebildert und enthält viele Infografiken, beispielsweise zur Entwicklung der Polare zwischen 2012 und 2022. Das Buch ist in neun Themenbereiche unterteilt. Jedes Kapitel besteht aus mehreren Themen, die meistens von unterschiedlichen Autoren verfasst wurden. Häufig findet sich in den einzelnen Beiträgen eine Box mit den wichtigsten Punkten, die die zentralen Aussagen kompakt zusammenfasst.

Ein Beispiel dafür ist das Thema „When should you step Up?“ von Théo de Blic. Die Zusammenfassung „At a Glance Stepping Up“ enthält unter anderem folgende Hinweise:

  • „Collapses happen to everyone“
  • „Stay in a B if you don’t want to compete“
  • „Two-liners only make sense if you’re always in bar“
  • „Do not down-size too early in acro, especially women“

Das Buch ist auf Englisch geschrieben, lässt sich aber auch mit mittelmäßigen Englischkenntnissen gut lesen, da keine besonders speziellen Wörter verwendet werden.

Inhalt: Die neun Kapitel

Im Intro wird deutlich, dass sich das Buch sowohl an Anfänger als auch an erfahrene Piloten richtet. Es wird darauf hingewiesen, dass der Pilot für sein eigenes Handeln verantwortlich. Laut eigener Aussage ist das Buch gefüllt mit hart erkämpften Erkenntnissen und praktischen Hinweisen. Im Folgenden stelle ich einige Höhepunkte aus den einzelnen Kapiteln vor.

Kapitel 1: Choosing Equipment

Wie wähle ich den richtigen Gleitschirm für mich aus? Wie finde ich die passende Größe? Und welche Konsequenzen hat es, wenn ich einen Schirm an der oberen oder unteren Grenze seines Gewichtsbereichs fliege?

Kapitel 2: Fundamentals

Hier geht es um die Grundlagen des Gleitschirmfliegens und darum, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Behandelt werden unter anderem die Verbesserung der Groundhandling-Fähigkeiten, das aktive Fliegen des Schirms und die richtige Benutzung des Beschleunigers.

Kapitel 3: Thermals & Thermalling

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem effizienten Kreisen in der Thermik und der Frage, wo Thermiken zu erwarten sind. Auch die digitale Unterstützung beim Thermikkreisen wird behandelt. Irritierend ist allerdings das Thema von Bruce Goldsmith, in dem eine Anleitung zum Fliegen in einer Wolke gegeben wird. Es sollte allgemein bekannt sein, dass Wolkenflug verboten und Gleitschirmfliegen nur unter Sichtflugbedingungen erlaubt ist.

Kapitel 4: Cross-Country Masterclasses

Dieses Kapitel richtet sich besonders an Streckenflugpiloten. Es behandelt unter anderem die Navigation durch Lufträume, das Streckenfliegen mit einem EN-A-Schirm und die Besonderheiten, die beim Wettbewerbsfliegen zu beachten sind.

Kapitel 5: Flatlands

Hier geht es um das Thermikfliegen im Flachland. Behandelt wird, wie man Thermiken findet und wie man einen sogenannten Low Save meistern kann, also nach einem tiefen Absinken doch noch Anschluss an eine Thermik findet.

Kapitel 6: Mountain Flying

Das Kapitel behandelt die Entstehung und den Einfluss von Talwindsystemen, das Fliegen im Lee und die Planung des ersten Biwakflugs.

Kapitel 7: SIV and your Reserve

Hier geht es um die Frage, warum man ein Sicherheitstraining besuchen sollte und was bei einem Sicherheitstraining auf eigene Faust zu beachten ist.

Kapitel 8: Safety

In diesem Kapitel stehen die Sicherheit und die Vorbereitung auf Notfälle im Mittelpunkt. Themen sind unter anderem das Zusammenstellen eines Notfallkits, die Vermeidung von Unfällen und das richtige Verhalten im Notfall.

Kapitel 9: Headspace

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der mentalen Seite des Gleitschirmfliegens. Es geht darum, wie man mit Flugangst umgeht und nach einem Unfall wieder zum Fliegen zurückfindet.

Fazit

Paragliding: 101 Ways to Fly Better bietet eine Sammlung von Erfahrungen und praktischen Hinweisen aus unterschiedlichen Bereichen des Gleitschirmfliegens. Die Kompetenz vieler Autoren wird in einem Buch gebündelt, sodass sich zahlreiche Anregungen für die eigene fliegerische Weiterentwicklung finden lassen. Entsprechend dem Schwerpunktthema des Buches – 101 Wege, besser zu fliegen – werden manche Themen allerdings nur am Rand behandelt, obwohl sie für uns Piloten wichtig sind. Dazu gehören beispielsweise Meteorologie und Luftrecht. Ob das Wissen zu diesen Themen zu einem guten Piloten gehört, mag jeder für sich beurteilen.

Die Untergliederung in einzelne Themen erinnert eher an ein Magazin als an ein klassisches Buch. Manche Themen bauen kapitelübergreifend aufeinander auf, während die Kapitel insgesamt logisch aufeinanderfolgen. Das Buch ist deshalb weniger dafür gedacht, von vorn bis hinten durchgelesen zu werden, sondern eignet sich vor allem als Nachschlagewerk.

Wer regelmäßig das Cross Country Magazine oder andere einschlägige Magazine liest, Vorträge besucht oder YouTube-Videos zum Gleitschirmfliegen anschaut, dürfte bereits einiges von dem Wissen kennen, das in diesem Buch zusammengetragen wurde. Wer hingegen auf das gebündelte Wissen vieler Autoren in einem einzigen Buch zurückgreifen möchte, dem sei das Buch empfohlen. Eine wirklich neue Erkenntnis für mich, konnte ich nicht finden, ich habe allerdings das Buch nur auszugsweise gelesen. Unklar bleibt, worauf sich die Zahl „101“ im Titel genau bezieht. Eine Erklärung dafür findet sich im Buch nicht.

Kritisch sehe ich die Anleitung von Bruce Goldsmith zum Fliegen in einer Wolke. Dass Wolkenflug verboten ist, sollte allgemein bekannt sein. Eine solche Anleitung ist daher zumindest irritierend. Außerdem ist das Buch nur in gedruckter Form erhältlich, was meiner Ansicht nach nicht mehr ganz zeitgemäß ist.

Preis und Bezug: Das Buch Paragliding: 101 Ways to Fly Better kostet 44,00 € und ist im Shop des Cross Country Magazine oder im Buchhandel unter der ISBN 978-1739343446 erhältlich.

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