Der Niviuk Arrow P 2 ist der Nachfolger vom P und die Leichtversion vom Arrow, den ich schon seit einiger Zeit fliege. Im Gegensatz zum Arrow ist die P-Variante die Leichtversion und dementsprechend für Hike-and-Fly- und Biwak-Piloten gedacht.
Bitte beachte die Hinweise und Einschränkungen zu dem Test. Das Gurtzeug wurde mir zum Testen zur Verfügung gestellt. Da ich das P nicht geflogen bin, kann ich hier keinen Vergleich anstellen. Beworben wird es mit einem großartigen Sitzkomfort, robusteren Materialien und Verbesserungen für die Sicherheit.
| Produkt | Getestet wurde das Arrow P 2 des spanischen Herstellers Niviuk. Das Arrow ist das Nachfolgemodell vom P und ein Leichtgurtzeug. Das Heckbürzel ist in Schwarz gehalten mit orangefarbenem Pfeil. Ansonsten ist das Gurzeug komplett schwarz. Auf der Homepage werden keine Designvarianten angeboten. |
| Verwendung | Der Leichtbauweise entsprechend sind die Zielgruppen Hike-and-Fly- und Biwak-Piloten. |
| Ort | Da es sich um ein Demogurtzeug handelt, durfte ich das Gurtzeug nicht im Flug testen. Getestet habe ich dementsprechend nur im Simulator. |
| Wetter | – |
| Equipment | – |
| Gewicht, Größe | Ich wiege 80 kg bei einer Größe von 1,76 m. Zum Test stand mir die Größe M zur Verfügung. |
| Flüge | – |
| Zertifikat | Das Zertifikat und der Testreport beider Protektorvarianten sind hier abrufbar. |
| Sicherheitshinweise | Bisher wurden keine Sicherheitshinweise veröffentlicht. |
| Lieferumfang | 2 Riemen zum Einstellen der Rückenposition, Reparaturpatch schwarz (vermutlich für den Beinsack), kurzes Stück Klettband und Innencontainer. |
| Handbuch | Die Bedienungsanleitung gibt es zum Download nur in Englisch (auf der deutschsprachigen Niviuk-Homepage). Auf der Homepage sind weiterhin die Zertifikate der Protektoren sowie der Link zu einem ausführlichen Video mit Benutzerhinweisen zu finden. |
Konstruktion
| Technische Daten | Das Gurtzeug kann in drei Größen (S, M und L) für Piloten von 160 bis 195 cm geliefert werden. Die Gewichte sind für Größe S 1,82 kg, M 1,86 kg und L 1,99 kg mit Schaumprotektor. Mit Luftprotektor jeweils um 600 g leichter. In der Anleitung ist eine Tabelle zu finden, anhand deren man die richtige Größe abhängig von der Körpergröße und dem Gewicht ermitteln kann. Die maximale Zuladung für alle Größen beträgt 120 kg. Ob man den Korbus mit verschieden großen Beinsäcken kombinieren kann, entzieht sich meiner Kenntnis. |
| Aufbau | Das Gurtzeug besitzt kein Sitzbrett, die Sitzfläche ist ca. 55 cm lang und bietet eine sehr gute Unterstützung der Beine. Die Tiefe der Aufhängung der Karabiner beträgt etwa 38 cm, somit dürfte das Fluggefühl eher gedämpft sein. Ungewöhnlich groß ist das Fußbrett mit 34 cm, da hat auch der größere Fuß genügend Raum zur Verfügung. Ich hatte die Variante mit Schaumprotektor, das Packmaß ist dennoch gefühlt sehr kompakt. Wirklich Sinn ergibt jedoch ein Hike-and-Fly-Gurtzeug nur mit Luftprotektor. Der Beinsack wird mit zwei Magneten gehalten, die nach dem Hereinsetzen sofort schließen und den Beinsack einwandfrei abdichten. |
| Material | Gemäß Herstellerangaben besteht der Beinsack aus D70 (ich vermute, hiermit ist Ripstop-Nylongewebe 70D gemeint). Der Bürzel besteht auf der Innenseite aus Skytex 27 und auf der Außenseite aus Dokdo 36. Die Karabiner sind aus Aluminium gefertigt, die nach dem Schließen verschraubt werden müssen. |
| Protektor | Der Arrow kann mit einem Schaum- oder aufblasbaren Protektor ausgestattet werden. Der Schaumprotektor hat eine Höhe von 14 cm. Der Protektor deckt, der Norm entsprechend, nur die Sitzfläche ab. Dass das auch bei einem Leichtgurtzeug besser geht, zeigt AirDesign mit dem The Sock. |
| Beschleuniger | Der Beschleuniger hat drei Stufen, wobei der Tritt mithilfe eines dünnen transparenten Schlauchs jeweils nur leicht verstärkt ist. |
| Stauraum | Etwas außergewöhnlich für mich sind die fehlenden Seitentaschen. Dinge, die man im Flug benötigt, werden in Taschen (Tiefe ca. 18 cm) direkt am Karabiner untergebracht (Foto 1) oder in der Fronttasche (Foto 2). Somit steht nur wenig Stauraum im Flug zur Verfügung. Positiv ist, dass eine separate Tasche für die Powerbank mit Durchführung für das USB-Kabel vorgesehen ist (Foto 3). Etwas besser sieht es mit dem Stauraum im Heck sowie unterhalb des Sitzs aus, dort könnte eine vollständige Biwakausrüstung Platz finden (nicht getestet). Für leichte Sachen (ansonsten könnte das Gurtzeug kopflastig werden) steht zusätzlich in der Nase des Beinsacks ein kleiner Stauraum zur Verfügung. |
| Rettungsschirm | Der Rettungsschacht ist sehr großzügig ausgelegt, aber auch nicht zu großzügig wie bei dem Arrow. Der Rettungsschirm befindet sich im unteren Rückbereich, was suboptimal bei einem Sturz auf dem Rücken ist. Der Griff ist mit einem Abstandshalter versehen, was ihn gut greifbar macht, zudem rot eingefärbt (Foto 7). Der Einbau ist etwas frickelig, aber mithilfe der Videoanleitung gut durchzuführen. Insbesondere der Reißverschluss am unteren Teil, der das Retterfach schließt, ist schwer erreichbar. In einer kleinen Tasche ein Stück Kunststoffdraht zum Schließen des Retterfachs beigelegt. Eine gute Idee, falls mal am Startplatz der Rettungsschirm herausfällt. Eine Rettungsleine, wie sonst üblich, die den Rettungsschirm mit der Aufhängung verbindet, gibt es nicht. Die Stammleine des Rettungsschirms wird direkt mit der Aufhängung verbunden (Foto 6). |
| Cockpit | Das Cockpit ist relativ klein. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht und die Spannung des Cockpits korrekt eingestellt, aber schon in der Standardeinstellung waren die Position und der Winkel optimal (Foto 2). |
| Befestigungsmöglichkeiten | Der Wasserschlauch wird wie heute üblich im Rückenfach untergebracht. Allerdings ist das Loch für die Durchführung des Schlauchs sehr knapp bemessen (Foto 5). Eine Befestigung für die Actioncam oder eine Tasche für ein Anti-G ist nicht vorgesehen. Das Vario kann oben rechts befestigt werden. |
| Qualität | Die Verarbeitungsqualität scheint, soweit ich das beurteilen kann, gut. Ich konnte keine Mängel bei der Naht feststellen. Die Durchführung des Beschleunigers am Korpus ist verstärkt, die Führung der Beschleunigerseile erfolgt augenscheinlich durch Keramikringe. Natürlich ist wie bei jedem Gurtzeug in Leichtbauweise das Material empfindlicher und entsprechend sorgsam zu behandeln. |








Einstellungen
| Beinsack | Die Länge und Winkel lassen sich sehr einfach durch ein geniales System einstellen. Die Schlaufe um eine Kugel ist zu lösen, die Kugel lässt sich sodann verschieben, um die Seile zu verlängern oder zu verkürzen. Die Schlaufe um die Kugel wird durch Belastung fest gezurrt, sodass ein eigenständiges Lösen mit der Zeit nicht zu erwarten ist. Die Standardeinstellung hat bei mir sofort gepasst. Um einen möglichst geringen Luftwiderstand zu bieten, soll das Gurtzeug so eingestellt werden, dass die Unterseite möglichst parallel zum Boden verläuft. |
| Sitz | Der Winkel der Rückenunterstützung lässt sich durch die mitgelieferten Riemen verstellen. Durch verschiedene Schlaufen auf der Seite des Karabiners sind feinstufige Justierung möglich. Ein einfaches, stufenloses Verstellen, was ich im Flug als vorteilhaft empfinde, z. B. bei einer langen Talquerung für einen geringeren Windwiderstand, ist nicht möglich. Sonstige Rückeinstellungen sind teilweise nur schwer im Flug zugänglich und sollten vorab im Simulator vorgenommen werden. |
| Brustgurt | Der Abstand Karabiner lässt sich zweistufig einstellen, auch während des Fluges. So kann man den thermischen Bedingungen entsprechend, den Karabinerabstand einstellen. |
| Beschleuniger | Der Beschleuniger lässt sich durch die oben angesprochene Kugel als Ganzes verstellen, aber nicht im Flug. Die Stufen lassen sich nicht einzeln verstellen. Die Verbindung des Beschleunigers erfolgt mit einem Ankerstich über den Brummelhaken des Schirms. |
| Cockpit | Der Winkel des Cockpits lässt sich den eigenen Wünschen entsprechend gut einstellen. |


Fliegen
Wie schon oben beschrieben, hatte ich ein Demogurtzeug und konnte somit nur sehr eingeschränkt das „Fluggefühl“ am Simulator testen.
| Vorbereiten | Ich hatte die Version mit Schaumprotektor. Aber für ein dezidiertes Hike-and-Fly-Gurtzeug macht natürlich ein aufblasbarer Protektor mehr sind. Sauberes Packen des Rucksacks und sonstiger Utensilien im Stauraum des Hecks ist ratsam, da sich ansonsten etwas unangenehm durchdrücken könnte. |
| Anlegen | In den Beingurt wird mit einem Bein eingestiegen, somit erübrigt sich ein Anti-Forget-System. Das Anlegen geht schnell und einfach und sollte auch mit Handschuhen gelingen. Alle notwendigen Schritte sind ohne größere Kraftanstrengung durchführbar. Die Karabiner werden geschraubt, was einerseits eine kraftschlüssige Schließung gewährleistet, andererseits ein schnelles Öffnen verhindert (z. B. nach einer Wasser- oder Starkwindlandung). |
| Start | Am Simulator war das Einsteigen problemlos möglich. Für mich rätselhaft ist die Schlaufe aus Gummiseil, die dem Einholen des Beinsacks dienen soll. Im Niviuk-Produktvideo zieht der Pilot in Socken nach dem Einsteigen, seinen Fuß aus der Schlaufe. Mit Schuhen wird das kaum möglich sein. |
| Beinsack | Die Schließung des Beinsacks am Simulator ist einwandfrei, die Stoffspannung ist sauber, es sind kaum Falten zu sehen. Vermutlich schützt der Beinsack gut gegen Zugluft. |
| Beschleunigen | Nicht getestet. |
| Fluggefühl | Nicht getestet. |
| Manöver | Nicht getestet. |
| Einstellungen | Einstellungen in der Luft sind praktisch nicht möglich. Fast alle Einstellungen müssen vorab im Simulator gemacht werden. |
| Sonstiges | Wie oben schon geschrieben, ist der Cockpitwinkel optimal. Mit Seitentaschen am Beinsack wäre die Erreichbarkeit des Zubehörs besser, aber mit den Innentaschen am Karabiner ist zumindest gewährleistet, dass im Flug nichts herausfällt. Der Rettergriff ist durch den Abstandshalter gut erreichbar. |
| Landen | Das Aufrichten und Aussteigen im Simulator ist problemlos möglich. |
| Packen | – |
Erfahrungen
Aus meinem direkten Bekanntenkreis kenne ich keinen, der den Arrow P 2 fliegt. Auch in den einschlägigen Foren liegen keine Berichte vor, was aber auch nicht weiter verwundert, da das Gurtzeug erst seit November zum Verkauf steht.
Fazit
| Positiv | Eine lange Sitzfläche sorgt für eine gute Beinunterstützung. Zwei Magnete gewährleisten eine sehr gute Schließung des Beinsacks. Sehr gute Sicht auf das Cockpit. Einfach Verstellmöglichkeiten des Beinsacks. |
| Negativ | Fehlender Stauraum im Flug. Nur wenig Einstellmöglichkeit im Flug. Der Einstieg in die Beingurte und die verschraubten Karabiner, könnten bei einer Wasser- oder Starkwindlandung zu Problemen führen. Protektor deckt nur das Hinterteil ab. |
| Neutral | – |
Der Arrow P 2 ist insgesamt ein gut durchdachtes Hike-and-Fly-Gurtzeug, das sicherlich einen Probeflug wert ist.
Gefällt dir das neue Tabellenformat des Testberichts? Möchtest du Tests dieser Art öfter auf meinem Blog sehen? Ich versuche, die Kosten für den Test der Gurtzeuge gering zu halten, aber ich würde mich trotzdem als Zeichen deiner Wertschätzung über einen kleinen Spendenbeitrag von dir freuen. Wie du spenden kannst, kannst du hier nachlesen. Vielen Dank.
